Kein Alarm, keine Feuerwehr

28.01.2004

2. Nationaler Paging Kongress erörterte Alarmierungsprobleme und -lösungen für Feuerwehren, Rettungsdienste und Hilfsorganisationen.

Paging Kongress

Die Alarmierung der über 1,4 Millionen Mitglieder von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Hilfsorganisationen stand im Zentrum des 2. Nationalen Paging Kongresses am 26. Januar in Berlin.

 

Die Mehrzahl der meist freiwilligen Einsatzkräfte wird noch über teilweise veraltete, analoge Netze alarmiert und sieht sich beim geplanten BOS-Digitalfunk bezüglich der Alarmierung nicht oder nur ungenügend berücksichtigt.Auswege, Konsequenzen und Handlungsalternativen diskutierten mehr als 150 Teilnehmer mit 12 Referenten aus dem In- und Ausland.

„Wenn man Feuerwehren nicht mehr alarmieren kann, braucht man weder die Feuerwehren noch ein Digitalfunknetz.“ Mit diesen Worten brachte Schirmherr Albrecht Broemme, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Probleme auf den Punkt, die der 2. Nationale Paging Kongress am 26. Januar in Berlin erörterte. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, zu der mehr als 150 Teilnehmer aus allen Bundesländern angereist waren, stand die Alarmierung der über 1,4 Millionen Mitglieder von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Hilfsorganisationen. Die Mehrzahl von ihnen wird noch über teilweise veraltete, analoge Netze zu Einsätzen gerufen und sieht sich bei dem geplanten, bundesweit einheitlichen Digitalfunk für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) in Bezug auf die Alarmierung nicht oder nur ungenügend berücksichtigt. Denn die Grundanforderungen an das neue Netz beinhalten laut GAN-Papier vom Oktober 2002 lediglich eine Handfunkversorgung außerhalb von Gebäuden in städtischen Gebieten und die Fahrzeugfunkversorgung auf dem Lande. Vor allem in Flächenländern wäre die Alarmierung dann akut gefährdet. Ohne Zukunftsbild wird unterdessen weiter in teure analoge oder Inseltechnik investiert.

Rudolf Scharping: Insulare Lösungen sind nicht die Alternative

Über Konsequenzen und Handlungsalternativen informierten 12 Referenten aus Deutschland, Schweden und den Niederlanden. Mit viel Beifall bedacht wurde der Vortrag „Kernkompetenz Sicherheit und Brandschutz“ von Rudolf Scharping, Mitglied des Bundestages und Verteidigungsminister a. D. Er sprach sich gegen die Errichtung von „insularen“ Netzen aus, die ein schnelles, koordiniertes Vorgehen der Einsatzkräfte auch über Kreisgrenzen hinweg erheblich erschweren und verzögern würden. Wie mehrere Landkreise sinnvoll zusammenwirken können, schilderte Stephan Bandlow am Beispiel der von ihm geleiteten Integrierten Regionalleitstelle Elmshorn. Der Analogfunk laufe aus, resümierte Werner Lichtenberg, Direktor Business Development der Rohde & Schwarz BICK Mobilfunk GmbH. Die Bandbreite möglicher Alternativen reiche bis hin zum intelligenten Paging. Projektleiter Dieter Reitz vom DRK Köln verwies auf die positiven Erfahrungen, die sein Kreisverband damit in der Alarmierung gemacht habe. Erste Ergebnisse einer Pilotdemonstration mittels Paging im Landkreis Osnabrück stellte Vorstand Dr. Winfried Wilkens vor. Dort werden Feuerwehren und Rettungsdienste auch über das für die BOS-Alarmierung aufgerüstete Netz von e*Message zu den Einsätzen gerufen. „Flächendeckendes Paging ist die ideale und einzig wirtschaftliche Ergänzung zu einem flächendeckenden Digitalfunknetz“, betonte Dr. Dietmar Gollnick, CEO der Europäischen e*Message-Gruppe. Diese Ergänzung gelte sowohl für TETRA und TETRAPOL als auch für GSM, die drei für den geplanten BOS-Digitalfunk derzeit diskutierten Technologien. Entsprechende Modelle wurden bzw. werden bereits erfolgreich in mehreren europäischen Ländern realisiert, wie Huib van Haren, Geschäftsführer von CallMax aus den Niederlanden, berichtete. Zeitgemäße Alarmierungs- und Warnsysteme seien auch in Hinblick auf den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz unverzichtbar, so Klaus-Henning Rosen, Beiratsmitglied des Deutschen Feuerwehrverbandes und Ministerialdirektor a. D.

In einer abschließenden Podiumsdiskussion stellten sich Referenten, Schirmherr Albrecht Broemme und Peer Rechenbach, Leitender Branddirektor der Feuerwehr Hamburg, den zahlreichen Fragen der Teilnehmer. „Das Ausschreibungsverfahren für den BOS-Digitalfunk muss jetzt zügig eingeleitet werden,“ forderte Albrecht Broemme. Auf keinen Fall dürfe die Verteilung der Kosten einseitig zu Lasten der Kommunen gehen. Der 2. Nationale Paging Kongress habe Informationsdefizite abgebaut, mit den Vertretern aus Kommunen, Bund und Ländern konstruktive Wege diskutiert und praxisnahe Impulse vermittelt. „Dieser Kongress lebte von der offenen Darstellung realer Probleme und Probebetriebe.“

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