Mobiltelefone ungeeignet für Alarmierung und Warnung

06.04.2006

Eine Studie über die Rolle von Mobiltelefonen in Notsituationen und Katastrophenfällen, entstanden im Auftrag der weltweit führenden Industrievereinigung im Mobiltelefoniebereich, GSM Association, gelangt zu dem Schluss: Mobiltelefone sind gut für die persönliche Kommunikation nach Wiederherstellung der Infrastruktur geeignet. Für die Alarmierung und Warnung unmittelbar vor und während der Katastrophe eignen sich Mobiltelefone jedoch weniger oder gar nicht. Hier werden Broadcast-Netze, möglichst satellitenbasiert, empfohlen.

Mobiltelefone ungeeignet für Alarmierung und Warnung

In ihrer Studie „The Role of Mobiles in Disasters and Emergencies“ untersucht die weltweit führende GSM Association die Funktionstüchtigkeit der Mobiltelefonnetze am Beispiel schwerer Naturkatastrophen im Jahr 2005: Tsunami in Südasien, Flut in Süddeutschland, Hurricane „Katrina“, Erdbeben in Pakistan u.a.. Besonders in diesen Extremsituationen benutzten Millionen Menschen das Handy, um die Familie zu erreichen, Hilfe zu rufen, wichtige Informationen zu erhalten oder weiterzugeben. Die Folge: Überlastung und schließlich Ausfall der Netze durch Naturgewalt.

Wie aus der Untersuchung hervorgeht, spielen Handys für die Frühwarnung und die Alarmierung keine oder lediglich eine ergänzende Rolle. Als alleiniges Kommunikationsmittel sind GSM-Geräte bzw. GSM-Netze laut Studie nicht geeignet. Die Informationen müssen dezentralisiert und vor allem schnell verbreitet werden. Um möglichst viele Menschen gleichzeitig vor einer drohenden Katastrophe zu warnen, sind „one-to-many“-Technologien, so zum Beispiel Radio, TV oder andere Broadcast-basierte Dienste, wie flächendeckendes Paging, notwendig. Nur durch gleichzeitig an viele verbreitete, autorisierte Informationen können rechtzeitige Prävention oder Rettungsmaßnahmen ermöglicht werden. In der Studie heißt es, dass gerade in Notfällen Nachrichten in der „text not talk“-Form besonders wichtig seien, weil diese in einer Hochlastsituation besser und schneller übertragen werden können als Sprachkommunikation, die sehr viel mehr Netzkapazität erfordert.

Die Studie geht naturgemäß nicht detailliert auf die Unterschiede der möglichen Broadcast-Technologien für die Alarmierung und Warnung ein, hebt jedoch hervor, dass es in Gefahrenlagen ein besonderes Problem des Energieausfalls gibt. Deshalb bieten sich landesweite Paging-Technologien ganz besonders für die Warnung und Alarmierung an. Sendestationen und Querleitungen sind in Katastrophenfällen extrem zerstörungsgefährdet. So war das T-Mobile-Netz während des Hurricanes „Katrina“ für ganze fünf Tage nicht vollständig verfügbar und es dauerte weitere 27 Tage, bis das Netz wieder komplett hergestellt wurde. Während des August-Hochwassers in Bayern stürzten Brücken ein, die Querleitungen des Vodafone-Mobilfunknetzes führten. Die Konsequenz daraus war ein Breakdown des Netzes für mehrere Tage. Obwohl die Studie diese Ausfallzeit als nicht so gewichtig einschätzt, ist es doch offensichtlich, dass satellitengestützte Technologien dieser Gefahr kaum ausgesetzt sind.

Bei nicht allzu schweren Zerstörungen ist die Wiederherstellung eines GSM-Netzes innerhalb kurzer Zeit möglich. Nach dem Tsunami in Südasien wurde das Netz in relativ kurzer Frist wieder verfügbar gemacht. Gerade unmittelbar nach der Katastrophe fehlte es dort an offiziellen Informationen, daher war das Handy eine lebensnotwendige Hilfe, um dringende Auskünfte zu erhalten, Unterstützung zu organisieren oder vermisste Personen zu erreichen. Kurz nach der Katastrophe, so die Einschätzung der GSM-Vertreter, ist das Mobiltelefon das wichtigste Kommunikationsmittel.

In einer Zeit, in der Extremsituationen und Katastrophen aufgrund von Naturereignissen, technischem Versagen und politisch motivierten Anschlägen viel häufiger als in der Vergangenheit auftreten, ist es von besonderer Bedeutung, die Kommunikationsmittel auf ihre Eignung zu untersuchen, Empfehlungen zu geben und sich nicht auf vermeintlich vorhandene Funktionen zu verlassen. Dazu hat die Studie der GSM Association ihren Beitrag geleistet. Ihr Fazit: Die Bedeutung des Mobiltelefons ist nicht im Alarmierungsumfeld und bei der Warnung zu sehen, sondern im Stadium „danach“. Dazu gehört u.a. das problemminimierte Sammeln von Spenden für die betroffene Region – durch entsprechende Bezahlservices über das Mobiltelefon könne eine breite Spendengewährung auch in kleinen Beträgen ermöglicht werden.

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