Keine ausreichende Funkversorgung für die Alarmierung

Keine ausreichende Funkversorgung für die Alarmierung

Grundlage des neuen BOS-Digitalfunks und seiner Leistungsmerkmale ist der so genannte "GAN-Standard". Er geht zurück auf das von Bund und Ländern erarbeitete Grundsatzpapier der Gruppe Anforderungen an das Netz (GAN) vom 23.10.2002. Dieses Dokument ist auch Basis für das im Jahre 2006 abgeschlossene Verwaltungs-abkommen zur Errichtung des neuen BOS-Digitalfunknetzes.

 

Die dort vorgesehene höchste Funkversorgungskategorie ist Mindestvoraussetzung (aber bei weitem noch nicht überall ausreichende Voraussetzung), um alarmieren zu können. In der Anlage 2 zum Grundsatzpapier GAN zeigt eine Liste, auf welches Territorium der Bundesrepublik und der einzelnen Länder diese höchste und mindestens notwendige Funkversorgung zutrifft (Beispiele: Deutschland insgesamt: 11,8%, Berlin: 66,7%, Mecklenburg-Vorpommern: 6,2%, Hessen 14,5 %).

Die zwingende Schlussfolgerung: 88,2% von Deutschland werden auf keinen Fall eine für die Alarmierung ausreichende Funkversorgung haben. Einzelne Bundesländer wollen eine etwas größere Funkversorgung als verpflichtend realisieren. Dabei ist allerdings von folgender Faustformel auszugehen: Für jeweils 10% zusätzliche Versorgung benötigt man 1,2 bis 1,7 mal so viele Funkstandorte. Kein einziges Bundesland hat ausreichende Mittel oder Funkstandorte für flächendeckende Alarmierung in seinem Teil des BOS-Digitalfunks vorgesehen. (Wobei es bereits bei den minimal geplanten Standorten - für Hessen nahezu 500 - nicht einfach ist, diese gegen Vermieterforderung und Bürgerbedenken durchzusetzen.)

Viele Bundesländer haben bereits ausdrücklich erklärt, dass es nicht möglich bzw. nicht vorgesehen ist, die Alarmierung mittels BOS-Digitalfunk etwa noch in ländlichen Regionen durchzuführen. Dazu gehören u.a.: Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt, alle Flächenländer, außer Hessen und Bayern.

Hessen will in ausgewählten Gebieten so genanntes "aktives Paging". Dies ist wegen der fehlenden Verfügbarkeit ein international nicht gängiger Begriff und meint Messaging wie bei SMS (GSM: Mobiltelefonie) und SDS (TETRA). Messaging hat eine Reihe von Nachteilen in Kapazität und Erreichbarkeit gegenüber Paging. Denn was nützt eine SDS-Nachricht, wenn sie nicht empfangen oder gar nicht erst abgesetzt werden kann. Nach GAN gäbe es also eine "Alarmierungslücke" in TETRA von mindestens 85,5% des Gebietes des Landes Hessen. Das Bundesland wird dem gemäß in fünf Funkversorgungskategorien aufgeteilt. Nur die höchste erfüllt die notwendigen (nicht die hinreichenden!) Voraussetzungen für die Alarmierung im Bundesland. 14,5 % des Landes Hessen sind für die höchste Funkversorgungskategorie vorgesehen, mit Schwerpunkt im dicht besiedelten und topografisch einfacheren Süden. In allen Bereichen der so genannten "Funkversorgungskategorien 1 bis 3" gibt es nach Aussagen der Projektgruppe Digitalfunk Hessen keine Alarmierung mittels TETRA, auch wenn schon teure Endgeräte bestellt werden sollen.

In Bayern liegt ein Sonderwunsch vor: Das Bundesland möchte zwar "im Digitalfunk" (gemeint ist das TETRA-Netz) alarmieren, dies aber - wie sonst auch im Paging üblich - ohne Rückmeldungen zuzulassen, da das nicht realisierbar wäre.

Der Verband Professioneller Mobilfunk e.V.(PMeV) untersucht in seinem Positionspapier mobile Kommunikation und zeigt beispielhaft die Krisenanfälligkeit von GSM-Netzen auf. download

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