Anforderungen an ein neues Digitalfunknetz für die BOS

Anforderungen an ein neues Digitalfunknetz für die BOS

In absehbarer Zeit soll ein bundesweit einheitliches digitales Sprech- und Datenfunknetz die technologisch veralteten Analogfunksysteme ablösen. Es muss nicht nur die grenzüberschreitende Kooperation (Übereinkommen von Schengen) unterstützen, sondern auch eine optimale Zusammenarbeit aller Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) in Deutschland ermöglichen

 

Eine abschließende Beschreibung der grundlegenden Leistungsmerkmale bzw. Mindeststandards des BOS-Digitalfunknetzes wurde im Oktober 2002 im so genannten GAN-Katalog vorgelegt. GAN steht für die Gruppe „Anforderungen an das Netz“, deren Aufgabe u. a. darin bestand, die Kosten für das Netz zu senken. Die im GAN-Papier fixierten Mindeststandards beinhalten demzufolge lediglich eine Handfunkversorgung außerhalb von Gebäuden in städtischen Gebieten sowie die Fahrzeugfunkversorgung auf dem Lande. Damit ist die Alarmierung vor allem in den Flächenländern in Frage gestellt. Das derzeit im Aufbau befindliche BOS-Digitalfunknetz soll auf dem GAN-Katalog basieren, der für die so genannte stille Alarmierung vor allem die Verknüpfung mit ergänzenden Netzen vorsieht. Dies entspricht auch der Grundgesetzwirklichkeit in Deutschland, denn für den Brandschutz und die Alarmierung sind Kommunen und Länder zuständig. Von den potenziellen Nutzern des künftigen BOS-Netzes wurden u. a. folgende Forderungen angemeldet:

  • Verkehr von Endgerät zu Endgerät mit/ohne Zwischenschaltung einer Leitstelle.
  • Verkehr von Leitstellen zur einer Vielzahl von Endgeräten (Standard Verkehrs Kreis der BOS).
  • Schneller Wechsel der Verkehrsbeziehungen (Leitstelle/Teilnehmer des SVK).
  • Permanentes Mithören des Endgeräte-Verkehrs durch die Leitstellen.
  • Permanente Konferenzschaltung mit unterschiedlich vielen Teilnehmern, auch bei Großeinsätzen.
  • Es müssen Personen per Messaging alarmiert werden können, die Endgeräte müssen einen Sender besitzen, der Alarmierte muss den Ruf quittieren können.
  • Es müssen größere Gruppen per Paging (Funkruf) alarmiert werden können, die Endgeräte dürfen keinen Sender besitzen, der Alarmierte kann nicht quittieren. Kleine, preiswerte Endgeräte, beste Empfangsbedingungen für Paging auch ohne Antennensystem, geringster Stromverbrauch.
  • Die BOS müssen eng zusammenwirken. Eine entsprechende Kommunikation und Führung ständig wechselnder Gruppen von Einsatzkräften setzt die Möglichkeit der raschen und flexiblen Zusammenschaltung verschiedenster Teilnehmer bundesweit voraus.
  • Auch vor Ort müssen die Einsatzkräfte direkt miteinander kommunizieren können – wie die Ereignisse vom 11. September 2001 in New York und während des Elbe-Hochwassers bewiesen. Das Leistungsmerkmal „Direct Mode“ ist deshalb ebenso erforderlich wie flexible Alarmierungssysteme für die BOS.
  • In Katastrophenfällen müssen schnell viele unterschiedliche Einsatzkräfte alarmiert werden. Für eine große Zahl dieser Kräfte besteht die Notwendigkeit der Übermittlung von Daten (z. B. Vitalfunktionen unter Atemschutz bei der Feuerwehr und sonstiger Einsatzkräfte zum eigenen Schutz).
  • Schutz vor unberechtigtem Mithören und Manipulation durch Verschlüsselung.
  • Beseitigung des durch die Vielzahl der BOS-Funksystem-Betreiber erzeugten permanenten Frequenzmangels.
  • Automatisches Weiterleiten von Teilnehmergruppen innerhalb des Netzes bei „Lagen in der Bewegung“ (Roaming).
  • Sofortige Verfügbarkeit des Netzes in besonderen Situationen und zusätzliche Versorgungskapazität im Bedarfsfall, beispielsweise durch Umschalten eines Fahrzeugfunkgerätes auf die Betriebsart Relaisbetrieb/Repeater.
  • Möglichkeit eines grenzüberschreitenden Funkbetriebs in Europa.

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